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Nachruf: Christa Wolf, die große Autorin der DDR, ist tot
Als Christa Wolf im Sommer 2010 ihren letzten Roman „Stadt der Engel“ in der Berliner Akademie der Künste vorstellte, kamen 700 Menschen – und wurden Zeugen einer weihevollen Andacht. Denn so sehr sie auch die Kritiker provozierte und mitunter ratlos machte: Die große alte Dame der ostdeutschen Literatur ließ niemanden kalt. Jetzt ist Christa Wolf im Alter von 82 Jahren gestorben. Das bestätigte der Verlagsgeschäftsführer von Suhrkamp, Thomas Sparr, „Welt Online“.
Christa Ihlenfeld, Tochter eines Kaufmanns aus Landsberg an der Warthe gehörte lange zum kulturellen Establishment der DDR. Bereits 1949 trat sie in die SED ein. Bei Hans Mayer studierte sie Germanistik. 1951 heiratete sie den Schriftsteller Gerhard Wolf. Sie arbeitete für den Deutschen Schriftstellerverband der DDR und redigierte die Zeitschrift „Neue Deutsche Literatur“.
Sie war keine Staatsautorin
1963 wurde sie Kandidatin des ZK der SED, wurde 1974 in die Akademie der Künste der DDR aufgenommen und erhielt sogar das Privileg der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Paris beitreten zu dürfen. Dass dazu noch DDR-Nationalpreise diverser Klassen hinzu kamen, liegt auf der Hand.
Aber Christa Wolf wurde darüber keine Staatsautorin der DDR. Nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976 unterzeichnete den „Offenen Brief“ dagegen, was ihr eine „strenge Rüge“ eintrug. Bei der Großdemonstration am 4. November 1989 auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz hielt sie die Rede „Sprache der Wende“ und wandte sich gegen jegliche Kehrtwende im Sinne einer Restauration, sondern sprach sich für eine Epochenwende aus. In diesem Sinne unterschrieb sie kurz nach dem Mauerfall den Aufruf „Für unser Land“ der sich gegen den „Ausverkauf unserer materiellen und moralischen Werte“ wandte.
Humanität jenseits aller Ideologien
Dieses Eintreten für einen demokratischen Sozialismus prägt das literarische Werk von Christa Wolf. Seit ihrem Debüt mit „Moskauer Novelle“ widmete sie sich ganz der Schriftstellerei. Bücher wie „Kassandra“. "Der geteilte Himmel" oder „Kein Ort. Nirgends“ wurden Bestseller, nicht nur in der DDR, sondern auch im Westen. Ihre Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.
1961 „Moskauer Novelle"
1963 "Der geteilte Himmel"
1968 "Nachdenken über Christa T."
1971 "Lesen und Schreiben"
1972 "Till Eulenspiegel"
1974 „Unter den Linden"
1976 "Kindheitsmuster" (mit Bremer Literaturpreis ausgezeichnet)
1979 "Kein Ort. Nirgends"
1979 "Karoline von Günderode: Der Schatten eines Traumes"
1979 "Fortgesetzter Versuch"
1980 "Gesammelte Erzählungen"
1980 "Geschlechtertausch" (mit Sarah Kirsch u. Irmtraud Morgner)
1983 "Kassandra"
1985 "Ins Ungebundene gehet eine Sehnsucht" (mit G. Wolf)
1986 "Die Dimension des Autors. Essays u. Aufsätze, Reden u. Gespräche 1959-1985"
1987 "Störfall. Nachrichten eines Tages"
1988 "Ansprachen"
1989 "Sommerstück"
1990 "Was bleibt"
1990 "Im Dialog. Aktuelle Texte"
1990 "Ein Arbeitsbuch. Studien, Dokumente, Bibliographie"
1990 "Reden im Herbst"
1992 "Sei gegrüßt und lebe. Eine Freundschaft in Briefen" (mit Brigitte Reimann)
1994 "Auf dem Weg nach Tabou"
1995 "Monsieur - wir finden uns wieder. Briefe 1968-1984" (mit Franz Fühmann)
1996 "Medea. Stimmen"
1999 "Hierzulande. Andernorts. Erz. u. a. Texte 1994 bis 1998"
2002 "Leibhaftig"
2002 "Werkausgabe in 12 Bänden"
2003 "Das dicht besetzte Leben" (mit Anna Seghers)
2004 "Ja, unsere Kreise berühren sich" (Briefe mit Charlotte Wolff)
2005 "Mit anderem Blick"
2006 "Der Worte Adernetz. Essays u. Reden"
2010 "Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud"
Ihre programmatische Erzählung „Was bleibt“ (1990) fiel zusammen mit dem Bekanntwerden ihrer IM-Tätigkeit für den Staatssicherheitsdienst in den frühen Sechzigerjahren. Der folgende Literaturstreit begleitete denn auch die Debatte um Schuld und Sühne des DDR-Regimes im wiedervereinigten Deutschland. Vor allem im Osten blieb Christa Wolf eine Symbolgestalt eines Sozialismus mit menschlichem Antlitz.
Ihre Lesung aus „Stadt der Engel“ 2010 endete übrigens mit dem Satz: „Ja, wir haben dieses Land“ geliebt. Dass das Werk von Christa Wolf jedoch über alle politischen Gegensätze von zeitloser literarischer Wucht ist, zeigt nicht zuletzt ihre regelmäßige Nennung im Kandidatenkreis des Literaturnobelpreises. Längst sind ihre Bücher in den Schulkanon aufgenommen worden, nicht als Zeugnisse deutscher DDR-Vergangenheit, sondern als Bekenntnisse zu einer Humanität jenseits aller Ideologien.
Kategorie: Meine Artikel | Hinzugefügt von: Figulin (01.12.2011) W
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