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Tödlicher Darmkeim: Institut warnte schon 2010 vor EHEC in Sprossen
Bereits ein Jahr vor dem gehäuften Auftreten von EHEC in Deutschland warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor der Gefahr, das abgepackte Sprossen und Salate darstellen können. "Untersuchungen aus verschiedenen Ländern haben gezeigt, dass pflanzliche Lebensmittel wie Früchte, Gemüse, Salat, die roh verzehrt werden, eine wichtige, aber bisher unterschätzte Ansteckungsquelle für STEC/EHEC darstellen", heißt es in der Information 026/2010 vom 16. Juni 2010. STEC ist eine Bezeichnung für einen Erreger, der ein besonders aggressives Toxin produziert.
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Das Institut hatte im Jahr 2009 59 Proben von frischen, verpackten Sprossen untersucht und kam zu dem Schluss, "dass Keime sich in fertig verpackten Sprossen bereits innerhalb von wenigen Tagen stark vermehren und am Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums eine überdurchschnittlich hohe Keimbelastung für den Verbraucher darstellen."
EHEC-Keime sind eine besonders gefährliche Form des Darmbakteriums Escherichia coli. Natürliches Reservoir der Bakterien ist der Darm von Wiederkäuern, speziell von Rindern.
Die Keime können durch rohes Fleisch und rohe Milch, aber auch von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Eine EHEC-Infektion führt zu Durchfällen, die auch blutig sein können. Weitere Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und zunehmende Bauchschmerzen. Als Folge droht das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), das zu einer schweren Nierenschädigung und sogar zum Tode führen kann.

Das Robert Koch-Institut hat seit Einführung der Meldepflicht 2001 in Deutschland jährlich zwischen 800 und 1200 EHEC-Erkrankungen registriert.
Der Bericht nennt mehrere Ausbrüche von EHEC-Infektionen in anderen Ländern, die auf kontaminiertes Gemüse oder Salat zurückgehen. "Der bisher größte Ausbruch an einer EHEC-Information mit über 6000 Erkrankten in Japan ist auf EHEC kontaminierte Rettichsprossen zurückzuführen", heißt es.
"In Deutschland ein Problem"
In Deutschland würden pflanzliche Lebensmittel in der Regel nicht auf EHEC untersucht. "Die hohe Kontaminationsrate bei Fleisch- und Milchprodukten zeigt jedoch, dass STEC/EHEC in der Nahrungsmittelproduktion in Deutschland ein Problem darstellen."
Pflanzliche Lebensmittel könnten durch Düngen, verunreinigtes Wasser oder auch Hygienemängel während des Bearbeitungsprozesses kontaminiert werden. EHEC geriete vor allem durch landwirtschaftliche Nutztiere in die Lebensmittelkette.
Ein Sprossen herstellender Gartenbaubetrieb in Bienenbüttel im Landkreis Uelzen soll womöglich durch den Vertrieb verunreinigter Produkte für EHEC-Erkrankungen verantwortlich sein.
Der Betrieb bot 19 verschiedenen Sprossensorten oder -mischungen an:
Azukibohnenkeime
Alfalfasprossen
Bockshornkleesprossen
Brokkolisprossen
Erbsenkeime
Kichererbsenkeime
Knoblauchsprossen
Kressenkeime
Linsensprossen
Mungobohnensprossen, in Deutschland als "Sojasprossen" bekannt
Radieschensprossen
Rettichsprossen
Rotkohlsprossen
Sonnenblumenkeime
Weizenkeime
Zwiebelsprossen
Crunchy-Mix
Milde Mischung
Würzige Mischung
Das Risiko bei Sprossen bestehe auch darin, dass die Keimlinge vom Verbraucher meist mit der Wurzel geerntet und nur mit Wasser abgespült würden. "Dies birgt die Gefahr einer hohen mikrobiellen Belastung, besonders wenn organische Dünger zum Einsatz kommen." Aufzuchtbehälter müssten zwischengereinigt und desinfiziert werden, da sie einen "idealen Brutplatz für Mikroorganismen aller Art" darstellten.
Im Jahr 2010 sah das BfR das Risiko aber noch nicht als außergewöhnlich hoch an. "Aus Sicht des BfR ist die Häufigkeit menschlicher Erkrankungen durch den Verzehr von mit Keimen belasteten Gemüsepflanzen in Deutschland aber relativ gering" im Vergleich zu den Infektionen, die auf den Verzehr von tierischen Lebensmitteln zurückzuführen seien, heißt es. Das insitut riet damals, Sprossen und abgepackte Salatmischungen vor dem Verzehr gründlich zu waschen.
Sieht man sich jetzt die Website an, heißt es: "Diese Stellungnahme wird derzeit überarbeitet."
Bislang war das BfR für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Das Institut hat die Aufgabe, Verbraucher über mögliche und identifizierte Risiken von Lebensmitteln, Stoffen und Produkten zu informieren.
"Ein besonders gefährliches Produkt"
Inzwischen hat sich ein Experte zum Sprossen-Verdacht geäußert. "Sprossen waren von Anfang an einer der üblichen Verdächtigen, die man hätte schon von Anfang an verhaften können“, sagte Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle, im ARD-"Morgenmagazin“. "Wir wissen, dass das ein besonders gefährliches Produkt ist.“
Kekulé sieht allerdings gute Chancen auf einen schnellen Erfolg im Kampf gegen den EHEC-Ausbruch, sollten wirklich Sprossen schuld sein.
Das niedersächsische Gesundheitsministerium hatte am Sonntag bekannt gegeben, dass rohe Sprossen als möglicher Auslöser der EHEC-Fälle in Deutschland gelten. Noch ist das nicht bestätigt. Am Mittag soll das Ergebnis erster Probenuntersuchungen bekanntgegeben werden.
Kategorie: Meine Artikel | Hinzugefügt von: Figulin (06.06.2011) W
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