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Tränen in Oslo: Die Königsfamilie trauert mit den Norwegern
Hemmungslos lautes Weinen kam aus dem Osloer Dom und Tränen auch bei Norwegens König Harald, als Ministerpräsident Jens Stoltenberg die unfassbar vielen Toten der zwei Anschläge ehrte.
Er habe Monica gut gekannt, sagte der Sozialdemokrat. Er war selbst oft zum Sommerlager für die Parteijugend auf der Insel Utoya gekommen, wo am Freitag mindestens 86 Menschen umgebracht wurden. Monica sei hier 20 Jahre hintereinander im Einsatz für junge Menschen gewesen: „Für viele von uns war sie Utoya. Jetzt ist sie tot. Erschossen und getötet, während sie Fürsorge und Unbesorgtheit für Jugendliche aus dem ganzen Land schaffte.“
Stoltenberg brach die Stimme, als er dann des jungen Sozialdemokraten Tore Eikeland gedachte: „Er war einer unserer hoffnungsvollsten Nachwuchspolitiker. Jetzt ist er tot. Weg für immer. Es ist nicht zu begreifen.“
Der Premier ergänzte: „Jeder einzelne Tote ist ein unersetzlicher Verlust. Zusammen bedeuten sie eine nationale Tragödie.“
Vieles konnten die Norweger an diesem Wochenende noch nicht begreifen. Ihr friedliches, kleines Land traf nach einem auch von Stoltenberg gebrauchten Bild „die schlimmste Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg“. Vor allem: Was hat den 32-jährigen Rechtsradikalen Anders B. dazu gebracht, seinen Hass auf den Islam und alles „Multikulturelle“ in derart grenzenlose Mordlust zu steigern?
Ausdrücklich „multikulturell“ orientiert war das sozialdemokratische Sommerlager auf Utøya. In den TV-Interviews mit Überlebenden äußerten sich auffällig viele junge Männer und Frauen mit sichtbarem Migrationshintergrund: gut integriert und aktiv in der sozialdemokratischen Jugendorganisation, als normale Bürger des skandinavischen Landes und ohne Unterschied zu „ethnischen Norwegern“.
Stoltenberg und die anderen Vertreter des offiziellen Norwegen mühten sich in beeindruckender Weise, ihren 4,5 Millionen Landsleuten in der Stunde dieser höchsten Not und größten Verzweiflung positive Offenheit zu vermitteln. Niemand in Oslo beteiligte sich an schnellen Spekulationen über radikalislamische Aktivitäten.
Jetzt gelte es, die offene Demokratie noch offener zu machen, sagte Stoltenberg, assistiert von seinem Außenminister Jonas Gahr Støre: „So schlimm alles ist: Wir werden dafür sorgen, dass die Norweger ihren Alltag schnell wiederbekommen.“ Keine leichten Worte angesichts völlig zerstörter Regierungsgebäude und eines so in Europa seit Jahrzehnten nicht erlebten Massenmordes, dazu auch noch fast durchweg an sehr jungen Menschen. Man dürfe aber auch nicht naiv reagieren, sagte Stoltenberg mehrfach.
König Harald V. sagte in einer Fernsehansprache, er glaube fest daran, dass Freiheit stärker sei als Angst und dass es weiter möglich sei, frei und sicher in Norwegen zu leben. Was niemand für möglich gehalten habe, sei geschehen. Nun werde es lange dauern, bis Norwegen die Terroranschläge verdaut habe. Die ganze Nation sei auf die Probe gestellt. „Jetzt stehen wir fest zu unseren Werten“, sagte König Harald V.
An dem Gottesdienst in Oslo nahmen die gesamte Regierung und die Königsfamilie teil. Kronprinz Haakon kam mit seiner Freu Mette-Marit. Die beiden hatten schon am Vorabend mit ihren Kindern Kerzen für die Opfer angezündet. Immer wieder umarmten sie Angehörige der Opfer und Überlebende der Terroranschläge.
Auch in anderen Ländern wurde der Opfer gedacht. Vor norwegischen Botschaften in aller Welt legten Menschen Blumen nieder. In Stockholm besuchte Kronprinzessin Victoria mit ihrem Mann Daniel einen Gedenkgottesdienst für die Opfer im Nachbarland. Mit Bestürzung reagierten deutsche Politiker auf das Blutbad in Norwegen: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Wir fühlen die Erschütterung genauso wie die Menschen in Norwegen. Klar ist, dass wir alle, die an Demokratie und friedliches Zusammenleben glauben, solchen Terrorismus, womit auch immer er begründet wird, scharf verurteilen müssen." Merkel rief dazu auf, gemeinsam gegen Ausländerfeindlichkeit und Hass einzustehen. Nach ersten Erkenntnissen sei der Hass auf Andersartige das Motiv für die Anschläge gewesen. "Dieser Hass ist unser gemeinsamer Feind." Bundespräsident Christian Wulff drückte König Harald von Norwegen in einem Telegramm seine Anteilnahme aus. Mit Entsetzen und Bestürzung habe er von den verheerenden Anschlägen erfahren, bei denen so viele Menschen ums Leben gekommen sind oder verletzt wurden, hieß es in dem Schreiben. "Ich möchte Ihnen, auch im Namen meiner Landsleute, meine tief empfundene Anteilnahme aussprechen. Deutschland und die Deutschen stehen in dieser schweren Stunde fest an Ihrer Seite." Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verwies darauf, "dass auch wir in Europa wachsam sein müssen gegenüber Terrorismus und terroristischen Anschlägen". Die genauen Hintergründe seien zwar noch unklar, dennoch gebe es keinerlei "Rechtfertigung für solche barbarischen Taten", sagte er. Er fügte hinzu: "Wir trauern um die Opfer und wir stehen auf der Seite des norwegischen Volkes." Grünen-Chef Cem Özdemir sagte, solle sich ein rechtsextremer Hintergrund bestätigen, zeige sich einmal mehr, „dass unsere freie Gesellschaft entschieden gegen diese menschenverachtende Ideologie vorgehen und sie bekämpfen muss. Das gilt für Norwegen genauso wie für Deutschland." Er hoffe, dass die norwegischen Behörden die Hintergründe rasch aufklären könnten, "damit aus den Erkenntnissen die Lehren gezogen werden können, dass sich solch eine Tat nie mehr wiederholt". Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel schrieb an den norwegischen Premier Jens stoltenberg: "Im Namen der Deutschen Sozialdemokratie – aber auch ganz persönlich – möchte ich meine Bestürzung und tiefe Trauer zum Ausdruck bringen. Ich bin erschüttert über den Tod so vieler unschuldiger Menschen." Gabriel schrieb auch im Namen von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier weiter: "Wir trauern mit allen europäischen Sozialdemokraten um unsere getöteten Freunde, unsere Anteilnahme gilt deren Angehörigen und Familien." Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) rief in der "Passauer Neuen Presse" auch in Deutschland zu erhöhter Wachsamkeit auf, betonte aber zugleich: "Dennoch ergibt sich daraus für Deutschland derzeit keine neue Lage". Der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), mahnte zur Besonnenheit. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Bosbach: "Der Anschlag von Oslo ist kein Anlass für eine grundlegende Neubewertung der Sicherheitslage in Deutschland." Es wäre verfrüht, jetzt von einer erhöhten Terrorgefahr zu sprechen. Quelle: dapd/dpa
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| Kategorie: Meine Artikel | Hinzugefügt von: Figulin (24.07.2011)
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